Segeln bei den British Virgin Islands.                             

madlen

11.November 2000
 20.30 Uhr Ortszeit. Wir landen  auf der Insel Tortola. Wir, das sind meine Frau, mein Sohn mit seiner Freundin und ich. Übermüdet vom langen Flug Hamburg - Paris - St.Martin - Tortola, aber doch auch mit großer Vorfreude auf den bevorstehenden Törn mit einer "Oceanis 411"
12.November 2000
Getränke und Lebensmittel bunkern sowie Revier -  und Boat -"Briefing" mit dem Vercharterer stehen an diesem Tag auf dem Programm.
13.November 2000
Von der Marina "Maya Cove" auf Tortola, der Heimatbasis des Charterunternehmens SUNSAIL, segeln wir  bei Wind ENE 4 Bft zu der gegenüberliegenden Insel "Cooper Island". In der "Manchoneel Bay", einer Bucht mit Palmen an einem sandigen Strand und einem herrlichen Blick auf die Westküste der Insel,  machen wir an einer Mooring fest. Nach einem Bad im Meer wird der Außenbordmotor des Dinghys gestartet und ab geht es zum Beach Club an Land. Der Rumpunch  (Stufe 1- 4) dort ist sehr zu empfehlen. Der am Abend auf 5-6 Bft auffrischende Wind beschert uns eine unruhige Nacht. Wir fragen uns: "Können wir der Mooring trauen?"
14.November 2000
Der Yachthafen auf der Insel "Virgin Gorda" ist unser heutiges Ziel. Der Wind von vorn, ENE 5-6 Bft und Wellenhöhen von 1,5 - 2,0 m machen uns die Entscheidung leicht, die 7,5 Seemeilen mit der "Unterwassergenua" zu fahren. "Wir wollen doch nicht im Urlaub arbeiten" heißt es! Bei der Einfahrt in den Yachthafen muß der Rudergänger die Lage eines Riffs, das parallel zur Küste verläuft, genau beachten. Die schmale Einfahrt ist jedoch betonnt. Entsprechend der amerikanischen Regel liegen von See kommend die roten Tonnen an Steuerbord, die grünen Tonnen an Backbord. 

virgin gorda

Viele Teilnehmer-Boote  der KARIBIK 1500 BOAT RACE aus USA, zu erkennen an ihren pinkfarbenen Teilnehmerfahnen unter der Saling, füllen die Marina (Foto). Vor Buganker liegend dürfen wir "römisch - katholisch" mit dem Heck an einer Kaimauer festmachen. Wir füllen unsere Frischwassertanks auf  und, da wir alle täglich viel Wasser trinken, ebenso unseren Trinkwasservorrat. Am nächsten Tag verholen wir unser Schiff an einen Stegplatz. Das Tauchunternehmen "DIVE BVI"ermöglicht  Tauchtouren zu den "BATH", einer Felsenformation mit Höhlen aus ausgewaschenen runden Felsblöcken. Unsere tauchbegeisterten Crewmitglieder nutzen diese Gelegenheit, die Unterwasserwelt dort kennen zu lernen. Andere Mitglieder der Crew besuchen zum Schwimmen die wunderschöne Beach der BATH per Taxi über Land.
16.November 2000
Um 11.15 Uhr heißt es: "Leinen los" mit Ziel "North Sound", dem nördlichsten Teil der Insel Virgin Gorda. Der Wetterbericht, zu empfangen im Internet unter www.wethercarib.com,  sagt wieder Wind  aus unserer  Zielrichtung NE  mit 4 - 5 Bft. voraus. Mit Großsegel und Genua kreuzen wir gegenan. Bevor wir "Great Dog", eine Insel der Dog-Gruppe, passieren, wird wegen der dort zu erwartenden starken Fallböen das Großsegel  etwas gerefft.  Da empfohlen wird, dass revierunkundige Segler zwischen den beiden Riffs an Steuerbord und Backbord unter Maschine in den Gorda Sound einlaufen, rollen wir kurz vor der nördlichen Einfahrt  alle Segel ganz ein und werfen den "Jockel" an.  Unser Ziel ist der Yachtclub "Bitter End". Für die Anfahrt dorthin passieren wir den "Vixen Point" mit Kurs auf die Häuser am Berg, die zu Bitter End gehören. Unser Boot legen wir für eine Nacht an eine Mooring vor dem Yachtclub.Von der Hotelanlage  dort klingt bis spät in die Nacht karibische Steelband-Musik zu uns herüber. Kostenlos.
17.November 2000
Bei ENE 5 Bft ist  die kleine Insel "Marina Cay" unser nächstes Ziel. Sie liegt, versteckt südlich von den Inseln "Great Camanoe" und "Scrub Island", geschützt hinter einem  großen Korallenriff. Dort lebte bis zu seinem Tode der Schriftsteller Fritz Seyfarth auf seiner 40-Fuß-Ketch "Tumbleweed" als Dauerlieger. "Marina Cay" ist bei der Ansteuerung schlecht auszumachen. Erst bei der  Nahansteuerung erkennen wir durch das Glas die  Häuser der Hotelanlage. Vorbei an einem Felsen im Osten des Riffs, den wir an Backbord liegen lassen, fahren wir unter Maschine eine Mooring an. Wir machen  für zwei Nächte fest. Position: 18°27.70´N; 64°31.63´W. Sehr gutes Seafood und die "Painkiller" aus karibischen Rum, tropischen Fruchtsaft und Eis zum Abendessen im Pussers´s Restaurant steigern unsere gute Stimmung. Die Unterwasserwelt um Marina Cay herum ist ein Paradies und begeistert am nächsten Tag unsere Taucher und Schnorchler.
19.November 2000
Mit 4-5 Bft achterlichen Wind und bei Sonnenschein segeln wir  mit Kurs SW nach  "Sopers Hole", dem Naturhafen an der Südwestküste von Tortola. Durch die 1/4 sm breite  Passage zwischen den kleinen Inseln "Little Thatch Island" und  "Frenchman´s Cay" steuern wir den kleinen Hafen an. Festgemacht wird sopersholeam Steg vor dem Restaurant "Pusser´s Landing".(Foto) Wir erfreuen uns an der farbigen Postkartenkulisse mit bunten Holzhäusern und Palmen, kleinen Andenkenläden und Strassencafés, mit  "Ampel Hamper"´s Supermarkt und Marineshop.
20.November 2000
Nur 5 sm entfernt von Sopers Hole liegt nördlich davon unser nächstes Ziel "Great Harbor" auf der Insel "Jost van Dyke". In dem Revierführer lesen wir, dass dort nur geankert werden kann. Also  kontrollieren wir vor dem Auslaufen aus Sopers Hole noch einmal unsere zwei Anker und bezeichnen die Ketten und Leinen alle 10 Meter mit Tapeband. So kann später leicht die gesteckte Ankerleinenlänge ermittelt werden. Mit halben Wind, der wieder mit 4-5 Bft weht, laufen wir die geschützte Ankerbucht an der Südküste von Jost van Dyke an. Die Ansteuerung ist problemlos. Bereits von fern erkennen wir die Häuser des Ortes wie auch die Masten der dort liegenden Yachten. Wir finden einen Ankerplatz im westlichen Teil der Bucht. Aber erst nach dem 4. Versuch greift unser Anker im harten Sandgrund in 6 Meter Tiefe. Mit 20 Meter Kette und 10 Meter Ankerleine vertrauen wir ihm unser Schiff an. Diese Länge ist auch erforderlich, denn in der Nacht fallen bei auffrischendem Wind starke Fallböen in die Bucht ein, die kräftig an den vor Anker liegenden Booten zerren. Drei mal in der Nacht führen wir eine Ankerpeilung durch. Hier spüren wir auch  die s.g. "ground swells". Bedingt durch besondere Wetterbedingungen entstehen in den Monaten November bis April in dem Revier diese Grundseen. Vor Anker liegende Yachten drehen sich dann plötzlich gegen den Wind und stoßen mit dem Heck gegen das Heck des Nachbarliegers. Wir haben vorsorglich auf einen entsprechenden Sicherheitsabstand zur Nachbaryacht geachtet. - Alles ist gut! Am Tage lädt die Bucht zum Schwimmen ein. Am Abend  die bekannte "Foxy´s Bar" zum Drink.  Dazu singt "Foxy" Balladen aus seinem Leben zur Gitarre.
21.November 2000
Nach der unruhigen Nacht verlassen wir Jost van Dyke  bei Sonnenschein,  mit 7 Knoten bei 4Bft halben Wind. Eine aufkommende Regenfront veranlaßt uns  jedoch die Segel zu reffen und vorsorglich Regenschutzjacken anzuziehen. Kaum gerefft fällt ein Unwetter über uns her. Starker Tropenregen mit Böen um 7Bft nimmt uns jede Sicht. - Maschine an und die Segel eingerollt! Vorsichtig geht es in  Richtung der engen Durchfahrt vor Sopers Hole. Von dort aus  motoren wir weiter  mit MgK 26° bei -12° MW gegen Wind und Regen an mit dem  Ziel "Sprat Bay" auf "Peter Island". Sie zählt zu den sichersten und schönsten der Inseln.  Bei nur 2 Meter Wassertiefe  vor dem dortigen Yachtclub mit dessen  Hotelanlage "Peter Island Resort" machen wir wieder an einer Mooring fest. Das Resort dort ist eine Top-Anlage. Zwei Nächte bleiben wir in dieser wunderbaren Umgebung. deadmann´s bayUnsere Hobbytaucher fahren mit dem dortigen Tauchclub vor die Insel "Norman Island" und tauchen im Wrak der "SS Rhone". Die Nichttaucher gehen an die 5 Minuten entfernte "Deadman´s Bay"(Foto) zum Schwimmen in das +26°C warme, türkisfarbene Wasser. Von der  Küche des Hotels lassen wir uns an den beiden Abenden verwöhnen.
23.November 2000
12.00 Uhr und es  heißt  wieder: "Vorderleine los". Quer über den "Sir Francis Drake Channel" geht es zurück zu der SUNSAIL Ausgangsbasis auf "Tortola", zur  Marina "Maya Cove". Beim Anlaufen der Marina muß beachtet werden, dass sich dort ein Riff vor der Küste  bis zu der betonnten schmalen Einfahrt ausdehnt. Darum laufen wir unter Maschine in die Bucht ein.  Schnell erkennen wir durch das Glas  den schmalen Einfahrtkanal, der durch rote und grüne Tonnen gekennzeichnet ist. An der dortigen Dieselstation lassen wir unseren Tank wieder  auffüllen.  Bei "Painkiller" und anderen "Flüssigkeiten" aus der "Bordapotheke", die zu leeren ist, vergeht der vorletzte Abend am Steg in der Marina.
24.November 2000
Zum Abschluß steht ein Landausflug per Taxi auf dem Programm. Wir besuchen Roadtown. Roadtown ist seit 1741 die Hauptstadt der B.V.I. Nur wenige Gehminuten auseinander liegen dort Bank, Post, Ministerien, Reisebüro, Supermärkte, Kirche, Kleinhändler, originelle karibische Läden und ein Museum. Bei +32°C Außentemperatur überraschen uns Weihnachtsmusik  und künstliche Weihnachtbäume in den Geschäften. Sie erinnern uns aber daran, dass in 4 Wochen schon Heilig Abend ist. - Aber auch daran, dass wir am nächsten Tag  wieder gen Heimat in die Kälte fliegen. Ein letztes mal erfreuen wir uns an dem Sonnenuntergang auf Tortula (Foto).

sunset 



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