Von Travemünde Kurs N-E.                             
colin-archer

Unsere "PACIFIC", 
eine Ketch vom Typ Colin-Archer Zollkutter. 
( Foto mit freundlicher Genehmigung der 
Wasserfahrschule Travemünde )

Sonntag 30.04.2006
10.20 Uhr. Es ist ausklariert. Der Zoll geht von Bord. Der Hilfsstander 3 (Zollflagge) flattert unter der Backbord Saling  im Wind. Unser Schiff, die PACIFIC, eine Ketch vom Typ Colin-Archer Lotsenkutter, verlässt den Fischereihafen von Travemünde. Skipper Ulli und die Crew Dieter, Werner, Norbert, Jürgen, Anthelm und ich freuen sich auf einen Törn auf der Ostsee. Die Reise beginnt, wie an allen folgenden Tagen, mit einem Schluck aus der Rumflasche für Rasmus, mit der Bitte um guten Wind und Sonnenschein. Bei Wind SE 3-4 mit einigen Hagelschauern und nach einer "Hafenrundfahrt" in der neuen Marina von Kühlungsborn, erreichen wir nach 49 sm Fahrt die Super-Marina Hohe Düne in Warnemünde.
Montag 01.05.2006 Nach einem kurzen Stopp im "Alten Strom" von Warnemünde, wo wir Räucherfisch einkaufen, geht es bei Wind ENE 4-5  Richtung Klintholm  auf der Insel Moen (DK). Unter Klüver, Fock, Groß und Besan machen wir bei nun 5 Bft sechs Knoten Fahrt. Um 18.15 h heißt es: Maschine starten -  Segel bergen- Radar an. Wir sind im dichten Nebel. Nach Radar Navigation und Nebelsignal machen wir nach 9 Stunden Fahrt im Hafen von Klintholm fest.

Dienstag 02.05.2006
Heute liegen 95 sm vor uns. Das Ziel heißt Rönne auf der Insel Bornholm (DK). Wir lassen die Segel unten und fahren unter Maschine. Mit dem Sonnenuntergang  kommt wieder der Nebel. Die Echos auf dem Radarschirm machen uns auf andere Schiffe und Tonnen aufmerksam. Der Wind ist saukalt!. Mittels Zwiebeltaktik halten wir uns warm. Dreißig Minuten nach Mitternacht, nach 12,5 Stunden, laufen wir in Rönne ein. Es gibt noch ein Anlege-Bier ( die Zeit muss sein), dann ab in die Koje.

Mittwoch 03.05.2006
Hafentag in Rönne ( Foto unten ). Fischer Jens bringt uns zwei frische und einen geräucherten Lachs, in Bornholmzehn bratfertige Schollen sowie für die Feinschmecker unter uns Dorschleber und Rogen. Ein Lachs wird von Ulli unter Verwendung von Salz, Honig, Dill und  Petersilie (getrocknet) und grobem Pfeffer zu Graved Lachs hergerichtet und für 36 Stunden zum Reifen in die Bilge verbannt. Die Crewmitglieder nehmen ein Sonnenbad oder erkunden den Ort.

Donnerstag 04.05.2006
Neksö auf der östlichen Seite von Bornholm heißt das Ziel heute. Die 36 sm bei Wind E 5 Bft schaffen wir mit zwei Reffs im Großsegel in 5 Stunden. Dabei müssen wir das betonnte Schießgebiet der Dänen südlich der Insel zwischen Boderne und Gedebak Odde umfahren.

Freitag 05.05.2006
Heute liegen nur 18 sm vor uns. Doch vorher genießen wir Ullis Graved Lachs. Dann steuern wir unter Segel nord-östlich von Bornholm  die Insel Christiansö mit ihrer kleinen Schwesterinsel Frederiksö an.. Beide Inseln sind durch eine schmale Fußgängerbrücke verbunden. Sie stehen unter Naturschutz. Nur 100 Menschen leben dort. Es gibt keine Autos  Aber ca.  80.000 Touristen besuchen jeden Sommer die Inseln.. Geht man an Land, betritt man eine alte Festung. Nur zwei mal am Tag läuft eine Fähre Christiansö an. Wenn die Inselbewohner etwas auf Bornholm zu erledigen haben, müssen sie dort übernachten, bevor sie am  nächsten Tag  auf ihre Insel zurückkehren können. Bevor wir in den Hafen einlaufen wird von Bord aus geangelt. Natürlich mit Fischerei Erlaubnisschein! Unser Fang: Zwei Dorsche ( Bild).Da muss man eben zukaufen. fishing

Samstag 06.05.2006
Wir verlassen Christiansö  bei Wind NE5 Bft und ca. 3,5 Meter hohen Wellen mit Ziel Hasle an der Westküste von Bornholm. Die Aussicht, dort frisch geräucherte Lachsseiten kaufen zu können, lässt uns den sehr kalten NE-Wind vergessen. Die 22 sm sind nach 5 Stunden geschafft. Die  geangelten und  zugekauften Dorsche werden gekocht und auf Gemüse serviert. Ein Spezialrezept von Dieter. Es schmeckt sehr gut. Am nächsten Morgen ist die Enttäuschung groß. Die Räucherei bietet keinen geräucherten Lachs an. Wegen geringer Nachfrage  in der Vorsaison. So  begnügen wir uns mit geräucherten Heringen. Dem Bornholmer Gold.

Sonntag 07.05.2006
Der Wetterbericht verspricht nichts Gutes. Wind NE in Stärken 5-6 Bft.  Doch für unseren NW-Kurs nach Ystad an der schwedischen Südküste nicht schlecht. Mit halben Wind unter Sturmklüver, Fock, zweifach gerefften Groß und Besan erreichen wir zeitweise 8 kn.  Dann flaut der Wind überraschend auf 4 Bft ab, um später  doch wieder auf 6 Bft zuzulegen.  So benötigen wir für die 33 sm knapp 5 Stunden.  Am Abend schlendern einige von uns durch die lange Einkaufsstrasse in Ystad´s Innenstadt. Es herrscht sonntägliche Abendruhe.

Montag 08.05.2006
Ystad liegt hinter uns und 53 sm bis Klintholm liegen vor uns. Der Wind hat auf ENE bei 4-5Bft, zeitweise 6 Bft, gedreht. Vor dem Wind und später raumschots laufen wir zwischen 4,5 und 6,5 Knoten. Nach 12 Stunden sind wir zum zweiten mal auf dieser Reise in Klintholm fest. Vor der Einfahrt bildet die Bucht eine  Winddüse. Der Wind bläst hier mit 6-8 Bft und schiebt uns, nur unter Klüver laufend, mit 4,5 Knoten bis vor die Hafenmole. Der Rumgrog im Hafen lässt uns den kalten Wind vom Tage schnell vergessen. 

Dienstag 09.05.2006
Von Klintholm geht es heute nach Gedser. Wir legen 10.30 h ab. Nur unter Sturmklüver und Fock gehen wir den Törn an. Später setzen wir noch das Großsegel und binden 2 Reffs ein. Nach 33 sm sind wir um 18.25 h in Gedser fest. Im Yachthafen liegen in dieser Jahreszeit wenige Schiffe.  Der Sonnenuntergang mit seinen tollen Farben fasziniert uns. Unsere Cameras leisten Schwerstarbeit!

Mittwoch 10.05.2006
  Es ist der erste warme Tag unserer Reise. Der kalte Wind bleibt aus. Die Overalls bleiben unter Deck. Wir laufen die 26 sm nach Warnemünde unter Maschine. Bereits am frühen Nachmitag liegen wir dort im Alten Strom. Unweit einer Eisdiele. Der Versuchung können wir nicht widerstehen. Die Eis Portionen der Crewmitglieder  liegen zwischen 3 bis 9 Kugeln. Namen werden hier nicht genannt.

Donnerstag 11.05.2006
Die Ostsee präsentiert sich als Ententeich. no wind Kein Wind. Keine Welle. Warmer Sonnenschein. Blauer, wolkenloser Himmel.(Bild  oben ) Mit durchschnittlich 5 kn  unter Maschine laufen wir 37 sm  nach Timmendorf auf der Insel Poel. Zur Mittagszeit kocht Dieter Linsensuppe mit Würstchen.  Am Nachmittag überrascht er uns mit Kuchen. Donnerstag ist eben  Seemanns-Sonntag.

Freitag 12.05.2006
Wir starten zur letzten Etappe unseres Törns. Wieder Ententeich. Wieder Maschine an. Erst später, kurz vor Travemünde frischt der Wind auf 3 Bft auf. Schnell setzen wir alle Segel. Noch einmal einen Schlag in die Neustädter Bucht.  Es ist, als wollte Rasmus sich für die täglichen Rumgaben bedanken. Dann laufen  wir mit raumen Wind unter Vollzeug Trave aufwärts, vorbei an den interessierten  Touristen am Ufer, in den Travemünder Fischereihafen ein. Dann der Punkt auf dem i: Anlegen am Steg unter vollen Segeln. Ohne Maschinenhilfe. Nun nur noch einklarieren und die Zollflagge runter. Mit Cola-Rum und Vino de Porto begießen wir anschließend noch recht lange die "Gute Heimkehr".

Samstag 13.05.2006
Die letzten Stunden an Bord. Wir klaren auf. Grundreinigung von Kammern, Salon, Kombüse, WC und Deck. Segelkleider über die Segel. Eine letzte Kontrolle der Fender  und Festmacher. Dann heißt es: Auf Wiedersehen  bis zum nächsten Törn.

frederiksö
Auf der Insel Frederiksö.

 




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