Dezember
2003 in Finnland
 Vom
Hotel Kalevala in Kuhmo, 640 km
nord-östlich
von Helsinki und ca 110 km östlich vom Flughafen Kajaani,
starten
wir zu einer halbtägigen Huskysafari entlang der russischen
Grenze.
Zeigte das Thermometer gestern noch -24°C an, so sind es heute
"nur
noch angenehme" -10°C.
Unser
Guide bringt uns mit
seinem Landrover
noch weitere 45 km in nordöstlicher Richtung
über vereiste
Landstrassen zu seiner Husky-Farm. Sie liegt in einem nun tief
verschneiten
Wald in Nähe der Ortschaft Lentiira.
Mittels
Video-Film
erklärt er uns die Unterschiede
der Huskyrassen, die Bauart und Konstruktion der Hundeschlitten und das
Führen eines solchen Schlittens.
Die
Tiere, es sind 40
Sibirische Huskys, wissen,
als wir uns ihren Zwingern nähern, dass es auf Tour gehen
soll. Sie
kläffen und springen unruhig hin und her.
Wir
sind zu viert. Jeder
von uns bekommt seinen
eigenen Schlitten mit "seinem Team". Juttas Team und das der anderen 2
Teilnehmern besteht aus je 6 Hunden. Mein Schlitten bekommt ein
5er-Team.Die
Hunde sind zwischen 2 und 4 Jahre alt. Sie werden paarweise
hintereinander
vor die Schlitten gespannt. Die zwei schnellsten Hunde
führen
als Leittiere das Team an. Die stärksten Huskys ziehen hinten
in der
letzten Reihe, direkt vor dem Schlitten.
""Aya"
bedeutet "Los"",
wird uns vom Hundetrainer
erklärt. "Ruft "Sseey" wenn die Hunde anhalten sollen und
tretet dabei
fest auf die Schlittenbremse" erklärt er uns weiter. "Wenn
eure Hunde
ihre Position einnehmen sollen müsst ihr "Esset" rufen" ist
seine
letzte Anweisung für uns Schlittenführer. Dann geht
es los.
Der
Guide fährt
mit einem Motorschlitten
weit voraus. Mit einem Abstand von je ca. zwei
Hundeschlitten-Längen
sollen wir folgen. Die Huskys sind kaum zu halten. Alle wollen
gleichzeitig
starten. " Sseey" - "Sseey"- "Sseey" hört man uns
rufen. Es
klingt fasst verzweifelt. Die Hunde zerren an ihren Geschirren. Wir
stehen
auf den Bremsen - . Dann endlich das erste "Aya"! -- Von den anderen
Schlitten
weiter "Sseey"- "Sseey"!!---- "Aya" - der zweite Schlitten folgt dem
Ersten.
-- Dann der Dritte.-- Ich starte als Letzter auch mit einem befreiendem
"Aya"! Endlich darf auch mein Team zeigen was es kann. Nach kurzer Zeit
kehrt Ruhe ein. Die erste Kraft der Hunde ist verbraucht. Sie wechseln
über in einen ruhigen Trab. Schlitten hinter Schlitten geht es
über
den mit Schnee bedeckten gefrorenen See
und durch Waldlichtungen (Foto)
Ich
geniesse die Ruhe. Ein Gefühl der Freiheit kommt
auf. Um mich
herum die Weite der herlichen winterlichen Landschaft. Für
mich als
norddeutschen Küstenbewohner sind es total neue
Eindrücke. So
viel Schnee gibt es bei uns selten. Und wenn, dann heisst es bei uns:
"Schneekatastrophe".
Mein
Team ist schneller
als das vor mir. Da wir
keinen Schlitten überholen sollen, trete ich leicht auf die
Schlittenbremse.
Die Krallen der Bremse greifen in den Schnee und in das Eis darunter.
Die
Hunde stemmen sich verstärkt in das Geschirr, doch die Fahrt
verlangsamt
sich wie von mir gehofft. Die Bremse wirkt. Die Leittiere schauen im
Laufen
nach hinten zu mir, als ob sie sagen wollten: " Was soll der Quatsch!
Lass
die Bremserei!". Ich komme ihrem Wunsch nach.
Mit
der Zeit werden ihre
Zungen länger.
Mein Zugtier scheert etwas zur Seite aus, um beim Laufen weichen Schnee
" zu trinken". Dadurch läuft mein Schlitten etwas aus der
Spur. Wie
beim Segeln lege ich mittels Fußsohle im Schnee "Ruder nach
Steuerbord".
Der Schlitten läuft nun wieder in der Spur.
"Sseey-Sseey"
rufe ich und
trete wieder kräftig
auf die Bremse. Die Tiere gehorchen. Kurze Pause. Für die
Lenker wie
auch für die Hunde. Letztere wälzen sich im Schnee. --
Dann
geht es nach einer
180° Wende zurück.
Plötzlich sehe ich den vor mir fahrenden Schlitten nicht mehr.
Alle
sind nach Links abgebogen. Wird auch mein Team der Spur folgen? Oder
laufen
sie etwa geradeaus weiter? Für einen Moment kommt in mir diese
ängstliche
Frage auf. Ich kenne kein Kommando für "links
abbiegen"..- Doch
die gut trainierten Hunde folgen den anderen Teams. Ich atme
erleichtert
auf.
Als
es bereits
dämmert taucht in der Ferne
die Husky-Farm am Ufer des Sees wieder auf. Die Hunde erkennen das nahe
Ziel. Sie wechseln vom Trab in einen flotten Galopp. Ein paar Minuten
später
sind wir am Ausgangspunkt unserer "Safari"(Foto)
. Wir streicheln und loben jeden Hund unserer Teams. Es erscheint uns,
als kehren sie zufrieden in ihre Zwinger zurück.
Wir
stärken uns
an einem Lagerfeuer mit
einer am Stock in der Glut gegarten Wurst, mit Preiselbeeren
gefüllten
Piroggen (ein Gebäck aus Wasser,
Salz, Roggen- und
Weizenmehl, Hefe sowie Öl ) und mit kalten Pfannkuchen. Dazu
kocht
uns der Guide mit geschmolzenem Schnee Kaffe und Tee.
Eine
schönes
Erlebnis während unseres
Finnlandbesuchs geht zu Ende. Um eine Erfahrung reicher kommen wir am
späten
Nachmittag - es ist bereits wieder dunkel - zu unserem Hotel
zurück.
 
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